Das Absaugen des Sekrets gehört neben der Anfeuchtung und Erwärmung der Atemluft und der physikalischen Therapie zu den wichtigsten Maßnahmen des Sekretmanagements in der Tracheostomapflege und darf nur durch geschultes, examiniertes Pflegepersonal, Angehörige oder den Patienten selbst durchgeführt werden.1, 3
In diesem Blogartikel erfahren Sie, welchen Einfluss eine Tracheotomie auf die Sekretbildung hat, und wie ein effektives Absaugmanagement bei tracheotomierten Patienten in der Intensivpflege und in der Homecare-Versorgung aussieht.
Über 20.000-mal am Tag atmet ein Mensch ein und aus und transportiert auf diesem Weg über 10 Kubikmeter Luft in die Lungen. Dabei gelangen aber nicht nur Gase, sondern auch Pollen, Staub oder Krankheitserreger in die oberen und unteren Atemwege. Bereits in der Nase wird der eingeatmete Luftstrom von Keimen und Partikeln gereinigt, angewärmt und durch das Nasensekret befeuchtet. Auch die Lunge und die Luftröhre produzieren ständig Schleim und Sekret, um Schadstoffe in der eingeatmeten Luft zu binden. Kleine Haarstrukturen auf den Atemwegsepithelzellen, die so genannten Zilien, transportieren den Schleim zusammen mit den Partikeln in Richtung Rachen. Hier wird das Sekret dann durch Verschlucken oder Abhusten eliminiert. Dieser Selbstreinigungsprozess, auch mukoziliäre Clearance genannt, findet bei der Atmung von der Nase bis zur Lunge statt. Bei einer erhöhten Belastung oder Irritation der Atemwege wird die Produktion von Schleim angeregt, um eine protektive Reaktion auszulösen.1, 2
Bei tracheotomierten Personen ist die Sekretbildung bereits durch die fehlende Funktion der Nase meist erhöht. Wie stark Sekret gebildet wird, ist abhängig von der Grunderkrankung, von der individuellen Person sowie von der regelmäßigen Verwendung eines Wärme- und Feuchtigkeitsaustauschers, auch HME oder feuchte Nase genannt.
Zudem ist das Trachealvolumen durch die Trachealkanüle und gegebenenfalls durch den Cuff stark verkleinert. Das Sekret sammelt sich rund um die Trachealkanüle an. Da der natürliche Selbstreinigungsmechanismus der Atemwege stark beeinträchtigt ist, kann das Sekret nicht durch den Hustenreflex und durch die ziliäre Bewegung der Atemwegsepithelien effektiv abtransportiert werden. Ein unzureichendes Abtransportieren kann wiederum zur Eindickung der Sekrete führen, was das Risiko für eine verminderte Luftzirkulation erheblich steigert.1
Ein HME ist ein wertvolles Hilfsmittel für tracheotomierte Patienten. Es simuliert die Funktion der Nase, indem es die eingeatmete Luft befeuchtet, filtert und erwärmt. Durch die Regulierung des Atemwiderstands schützt der HME die Atemwege vor Trockenheit und Reizungen. Dies erleichtert das Abhusten von Sekreten und trägt zur Vorbeugung von Infektionen bei. Atos Medical hat unterschiedliche Wärme- und Feuchtigkeitsaustauscher im Angebot, um die Funktion der Nase zu ersetzen.
Das endotrachiale Absaugen ist eine der häufigsten Interventionen durch das Pflegepersonal in der Versorgung tracheotomierter Patienten. Mit Hilfe eines Absaugkatheters wird das Sekret unter Sog aus der Luftröhre entfernt. Dieser Vorgang gewährleistet die Aufrechterhaltung des pulmonalen Gasaustausches durch einen freien Atemweg. Gleichzeitig wird eine Sekretverlegung des künstlichen Atemwegs verhindert.3
Bei gelegentlichen oder weniger invasiven Absaugungen kann ein offenes System verwendet werden. Dies ist häufig bei Patienten der Fall, die nicht kontinuierlich beatmet werden. Die Trennung des Beatmungsschlauches vom künstlichen Atemweg ist beim Absaugvorgang notwendig.
Bei invasiv beatmeten Patienten bietet ein geschlossenes Absaugsystem den Vorteil, dass die Atmung möglichst wenig gestört wird und Abfälle im Atemwegsdruck verhindert werden. Eine Trennung des Beatmungsschlauch vom künstlichen Atemweg ist nicht notwendig. Zudem wird das Pflegepersonal und andere Patienten vor potenziell infektiösen Sekretpartikeln geschützt.1, 3
Beide Arten unterscheiden sich durch die Absaugtiefe. Beim oberflächlichen Absaugen wird der Absaugkatheter nur bis zur Kanülenspitze eingeführt – er berührt die Schleimhaut nicht. Bei der tiefen Absaugung werden auch tiefer liegende Sekrete erfolgreich entfernt. Dabei wird ein atraumatischer Absaugkatheter unter Sog tief eingeführt, bis ein leichter Widerstand zu spüren ist. Der Absaugkatheter berührt bei der tiefen endotrachialen Absaugung die Schleimhaut und kann auch Verletzungen auslösen.1, 3
Bei Routineabsaugmanövern sollte aus diesem Grund maximal 0,5 bis 1 cm über das Ende der Trachealkanülenspitze abgesaugt werden. Ein tiefes Absaugen ist nur bei ineffektivem flachem Absaugen indiziert, da das Risiko potenzieller Nebenwirkungen erhöht ist. Eine Graduierung am Absaugkatheter ermöglicht beim tiefen Absaufen eine zielgenaue Positionierung.5
Wichtiger Hinweis: Im Homecare-Bereich darf maximal 0,5 bis 1 cm über die Kanülenspitze hinaus abgesaugt werden. Die tiefe endotracheale Absaugung darf nur von Ärzten und geschultem Pflegepersonal durchgeführt werden. Eine ärztliche Anordnung für eine tiefes Absaugen muss explizit vorliegen.1
Ein effektives Sekretmanagement trägt wesentlich zu einer erfolgreichen Therapie tracheotomierter Patienten bei. Ziel ist, eine verstärkte Sekretproduktion bei Tracheostomapatienten zu vermeiden. Die Sekretsituation entscheidet auch über Erfolg oder Misserfolg bei der Dekanülisierung.1
Die Intervalle für die Absaugung richten sich nach dem persönlichen Bedarf. Sie kann sowohl von Patient zu Patient variieren als auch beim gleichen Patienten zu unterschiedlichen Tageszeiten. So kann es sein, dass abhängig von der Patientensituation eine einmalige Absaugung am Tag ausreichend, in anderen Fällen aber auch eine stündliche Absaugung notwendig ist.
Sichtbares Sekret, ein deutliches zu hörendes Brodeln und eine erschwerte Atmung weisen auf die Notwendigkeit der Absaugung hin. Es sollte auch immer abgesaugt werden, wenn der Patient den Wunsch äußert.1 Schnelles Handeln ist bei Anzeichen einer Hypoxie notwendig. Erkennbare Anzeichen sind eine bläuliche Verfärbung der Haut (Zyanose) und der Abfall der Sauerstoffsättigung beim tracheotomierten Patienten.
Regel bei der Absaugung: So oft wie nötig, so selten wie möglich.
Selbstständige und fitte Patienten können unter Anleitung erlernen, das Sektret abzuhusten. Die Anzahl der Absaugvorgänge kann dadurch deutlich reduziert werden – in manchen Fällen ist sogar gar keine Absaugung mehr notwendig
Absaugkatheter sind Einmalprodukte, die steril verpackt in verschiedenen Größen und Beschaffenheit der Katheterspitze sowie mit unterschiedlichen lateralen Öffnungen zur Verfügung stehen.3 Die Kathetergröße wird in Charrière (CH) angegeben. 1 CH entspricht 1/3 Millimeter. Die korrekte Wahl des Katheters ist essentiell für die Sicherheit des Patienten.
Der Außendurchmesser des Absaugkatheters muss deutlich kleiner gewählt werden als der Innendurchmesser der Trachealkanüle. Maximal die Hälfte des Innenlumens der Trachealkanäle dürfen verlegt werden, damit der Patient ausreichend atmen kann. Je nach Art der Absaugung stehen zwei Varianten zur Auswahl:6
Die Stärke des Sogs sollte möglichst gering sein, um die Atmung nicht zu beeinträchtigen und Komplikationen wie Schleimhautschäden oder Sauerstoffmangel vorzubeugen. 0,8 bar Erwachsene 0,2 bis 0,4 bar bei Kindern.3
1. Der Katheter wird möglichst berührungsfrei durch die Trachealkanüle bis zur Spitze vorgeschoben.
2. Der Absaugkatheter darf höchstens 0,5 bis 1 cm über den Rand der Kanülenspitze hinausragen.
3. Verschließen Sie den Fingertip und beginnen Sie so mit der Absaugung.
4. Der Absaugvorgang darf 10 bis 15 Sekunden nicht überschreiten. Falls ein weiterer Absaugvorgang notwendig ist, eine kurze Pause einlegen, damit sich der Patient erholen kann.
5. Entsorgung des Absaugkatheters und Durchspülung des Absaugschlauchs mit Fingertip.
6. Sichtanalyse des abgesaugten Sekrets und Dokumentation des Absaugvorgangs
Der Absaugvorgang kann vielfältige Symptome und unerwünschte Ereignisse beim Patienten auslösen. Dazu gehören: 1, 3, 4, 5
Im unteren Abschnitt des Kehlkopfs (Subglottis) kann sich Sekret oberhalb des Cuffs ansammeln und ein Keimreservoir bilden. Zudem besteht die Gefahr der Aspiration und Mikroaspiration beim Entleeren des Cuffs. Auch bei geblocktem Cuff kann Sekret in die tiefen Atemwege gelangen und schlimmstenfalls eine Lungenentzündung verursachen. Dieser Raum zwischen Stimmlippen und Cuff lässt sich mit einem herkömmlichen Absaugkatheter kaum erreichen. Mit einer Trachelkanüle mit subglottischer Absaugvorrichtung wird das Sekret oberhalb des Cuffs abgesaugt, wodurch das Risiko einer Aspiration und der Übertritt von kontaminiertem Sekret in die unteren Atemwege erheblich verringert wird.3
Patienten unter Beatmung können sich aufgrund einer geblockten Trachealkanüle nicht verbal verständigen, obwohl sie bei Bewusstsein sind. Abhilfe schafft die Above Cuff Vokalisation. Diese Technik ermöglicht es, dass Luft durch die subglottische Absaugung oberhalb des Cuffs eingeblasen und durch den Kehlkopf geleitet wird. Somit ist ein „Sprechen auch unter Beatmung“ möglich. Dies erleichtert die Kommunikation mit beatmeten Patienten enorm.
Die Tracoe Extract Trachealkanülen mit Cuff und subglottischer Absaugvorrichtung unterstützen alle tracheotomierten Patienten, die eine Deflation des Cuffs nicht vertragen. Zudem sind die Kanülen alle für die ACV – Above Cuff Vocalization, dem „Sprechen unter Beatmung“ zugelassen.
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Referenzen
1. BVMed Informationsbroschüre (2017). Empfehlung für die Versorgung von tracheotomierten Patienten. https://www.bvmed.de/verband/publikationen/fachbroschueren/empfehlung-tracheotomieversorgung-2017
2. Larsen, R. & Mathes, A. (2023). Beatmung: Indikationen – Techniken – Krankheitsbilder (7. Aufl.). Springer.
3. Schneider-Stickler, B. und Kress, P. (Hrsg.) (2018).Tracheotomie und Tracheostomaversorgung: Indikationen, Techniken & Rehabilitationen. Springer.
4. Robert Koch Institut (2013). Prävention der nosokomialen beatmungsassoziierten Pneumonie – Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut. https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Krankenhaushygiene/KRINKO/Empfehlungen-der-KRINKO/Device-assoziierte-postoperative-Infektionen/Downloads/Pneumo_Rili.pdf?__blob=publicationFile&v=1 (DOI 10.1007/s00103-013-1846-7)
5. Krüger, L., Mannebach, T., Wefer, F. et al. (2024). Absaugung bei intubierten und tracheotomierten Patient*innen. Anaesthesiologie 73, 340–347 (https://doi.org/10.1007/s00101-024-01400-w)
6. AWMF: Nichtinvasive und invasive Beatmung als Therapie der chronischen und respiratorischen Insuffizienz (2017) https://register.awmf.org/assets/guidelines/020-008l_S2k_NIV_Nichtinvasive_invasive_Beatumung_Insuffizienz_2017-10-verlaengert.pdf
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