Effektive Stimmbildung mit 1-Way-Sprechventilen: Ein Leitfaden für die Praxis

Für Medizinisches Fachperso...
8. November 2024

Die Fähigkeit zu sprechen ist für die meisten Menschen eine selbstverständliche Grundlage, um mit ihrer Umwelt zu kommunizieren, ihre Gefühle auszudrücken und am sozialen Leben teilzuhaben. Doch was passiert, wenn diese Möglichkeit plötzlich wegfällt? Für Menschen mit einem Tracheostoma, einer künstlich geschaffenen Öffnung an der Luftröhre, stellt genau das eine große Herausforderung dar. Durch die notwendige Umleitung des Atemstroms über eine Trachealkanüle können Betroffene oft nicht mehr wie gewohnt sprechen, da der Luftstrom die Stimmbänder nicht mehr erreicht. Dies kann zu einem erheblichen Verlust an Lebensqualität führen. Um diesen Menschen wieder eine Stimme zu geben, wird ein spezielles Hilfsmittel verwendet – das sogenannte Sprechventil. Doch der Einsatz eines Sprechventils erfordert besondere Vorsicht.

In diesem Beitrag erfahren Sie nicht nur, wie ein Sprechventil funktioniert und das Sprechen ermöglicht, sondern auch, welche Risiken damit verbunden sind und worauf man bei der Anwendung achten sollte, um die Sicherheit und das Wohlbefinden der Betroffenen zu gewährleisten.

Tracheostomierter spricht mit einem Trachphone

Wie kommt es zur Stimmbildung?

Die Stimmlippen, die im Inneren des Kehlkopfes am Schildknorpel befestigt sind, spielen eine entscheidende Rolle bei der Stimmbildung. Wenn Luft aus der Lunge strömt, bringt sie die Stimmlippen zum Schwingen. Diese Schwingungen erzeugen die Schallwellen, die wir als Stimme hören. Diese komplexe Interaktion ermöglicht es uns, zu sprechen, zu singen und unsere Emotionen auszudrücken.

Für einen klaren und nicht heiseren Klang müssen die Stimmlippen symmetrisch und regelmäßig schwingen. Die Frequenz dieser Schwingungen bestimmt die Tonhöhe der Stimme. Wenn die Stimme heiser klingt, schließen die Stimmlippen möglicherweise nicht vollständig oder schwingen nicht gleichmäßig.

Stimmlippen | offen

Anatomische Ansicht Stimmlippen - offen

Stimmlippen | geschlossen

Anatomische Ansicht Stimmlippen - geschlossen

Was verändert sich nach einer Tracheotomie?

Eine Tracheotomie ist ein Eingriff, bei dem die Luftröhre (Trachea) unterhalb des Kehlkopfes eröffnet wird, um die Atmung zu erleichtern. Dadurch wird die normale Luftführung, die für die Stimmproduktion notwendig ist, umgangen. Die Luft strömt hauptsächlich durch die Trachealkanüle und gelangt nur teilweise zu den Stimmbändern. Das bedeutet, dass Menschen mit einer Tracheotomie ohne zusätzliche Hilfsmittel wie ein Sprechventil nicht in der Lage sind, zu sprechen.

Anatomische Illustration eines Menschen mit Tracheotomie

Was ist ein Sprechventil?

Ein Sprechventil ist ein medizinisches Hilfsmittel, das auf die Trachealkanüle aufgesetzt wird. Es besteht aus einem festen Gehäuse und einer
beweglichen Membran. Diese öffnet bei der Einatmung und ermöglicht den Luftstrom in die Lunge. Sie verschließt bei der Ausatmung, sodass die Luft durch die oberen Atemwege zu den Stimmbändern geleitet wird. Auf diese Weise können Menschen mit einer Tracheotomie wieder sprechen. Solche Ventile sind als "1-Way" bekannt, da sie nur in eine Richtung Luft durchlassen.

Anatomische Illustration eines Menschen mit Luftzirkulation nach der Tracheotomie. Mit Tracoe Sprechventil.

Schritte zur Vorbereitung des Einsatzes des Sprechventils

  • Cuff entblocken: Der Cuff muss mit einer Spritze vollständig entblockt werden.
  • Innenkanüle wechseln: Falls erforderlich, die Innenkanüle auf eine gefensterte Innenkanüle wechseln.
  • Manueller Verschluss: Bei erstmaligem Einsatz der Trachealkanüle zunächst die Kanüle manuell während der Ausatmung verschließen.
  • Sprechventil aufsetzen: Das Sprechventil auf die Kanüle setzen.

Worauf muss man achten bei der Verwendung eines Sprechventils?

Die richtige Verwendung eines Sprechventils ist entscheidend für die Sicherheit und den Komfort des Patienten. Grundsätzlich lässt sich das Sprechventil mit diversen Kanülen kombinieren. Ob gefenstert, ungefenstert, mit Cuff oder ohne Cuff. Auf den richtigen Umgang mit diesen Kanülen kommt es an.

Hier sind die wichtigsten Aspekte:

  • Cuff entblocken: Bevor ein Sprechventil aufgesetzt wird, muss der Cuff (falls vorhanden) vollständig entblockt werden. Dies ist notwendig, weil ein geblockter Cuff den Raum zwischen der Kanüle und der Luftröhre abdichtet. Wenn das Ventil bei der Ausatmung dann verschließt, kann der Patient zwar einatmen, aber die Ausatmung wird verhindert. Dies führt zu einem Phänomen namens Airtrapping, bei dem sich die Luft in der Lunge staut und zu einer potenziell gefährlichen Atemnot führt.
  • Patient sollte wach sein: Ein weiterer Sicherheitsaspekt ist, dass das Sprechventil nur im wachen Zustand des Patienten verwendet werden sollte. Wenn der Patient schläft, bemerkt er möglicherweise nicht, wenn er Atemprobleme bekommt. Dies könnte im schlimmsten Fall zu einer lebensbedrohlichen Situation führen.

Anzeichen für Atembeschwerden erkennen

Die sichere und komfortable Nutzung eines Sprechventils bei tracheotomierten Patienten erfordert besondere Aufmerksamkeit. Sollten bei der Anwendung hörbare oder sichtbare Anzeichen von Atemanstrengung auftreten, ist es wichtig, mögliche Ursachen systematisch zu prüfen.

Der Allgemeinzustand des Patienten spielt eine zentrale Rolle: Verkrampfungen, Schmerzen oder ein beeinträchtigter Atemweg – etwa durch eine Stimmbandlähmung – können zu Schwierigkeiten führen. Ebenso sollte die Trachealkanüle genau inspiziert werden:

  • Liegen etwa Sekretverlegungen vor?
  • Ist die Kanüle möglicherweise zu groß, sei es hinsichtlich Länge, Biegungswinkel oder Durchmesser?
  • Auch der Cuff, falls vorhanden, verdient Beachtung: Ist er vollständig entblockt?
  • Und wie verhält sich die Faltenbildung bei einem entblockten Cuff?

Darüber hinaus ist es entscheidend, auf Anzeichen von Atemnot zu achten. Zu den Warnsignalen gehören eine erschwerte, angestrengte Atmung, bläuliche Lippen oder Hautverfärbungen sowie eine sichtbare Anspannung der Atemmuskulatur. Treten solche Symptome auf, muss das Sprechventil umgehend entfernt und die Trachealkanüle überprüft werden, um die Atemwegsfreiheit sicherzustellen.

Eine sorgfältige Prüfung und schnelle Reaktion auf solche Probleme hilft, die Anwendung des Sprechventils sowohl für den Patienten als auch für das medizinische Team sicher und angenehm zu gestalten.

Besondere Hinweise zur Verwendung von farbigen Sprechventile

Einige Sprechventile, wie beispielsweise das Tracoe Phon Assist I, haben eine Signalfarbe. Diese Signalfarbe ist vor allem in klinischen Umgebungen von Bedeutung, da sie darauf hinweist, dass Vorsicht geboten ist – insbesondere bei Patienten mit Cuff. Die Verwendung solcher Ventile ist meist auf spezialisierte medizinische Einrichtungen beschränkt, in denen geschultes Personal für die Überwachung sorgt.

Tracoe Phon Assist I orange Sprechventil mit integriertem Sauerstoffanschluss

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